Interview mit Christian Küper nach dem Hilfseinsatz in Jamaika
Christian Küper ist nach seinem Katastrophenhilfeeinsatz auf Jamaika wieder zurück im Landkreis Verden. Im Gespräch berichtet er von seinen Eindrücken, Herausforderungen und bewegenden Momenten vor Ort.
Christian, schön, dass du wieder zurück bist. Wie geht es dir nach dem Einsatz?
Vielen Dank. Ich bin froh, wieder zuhause zu sein. Der Einsatz war intensiv und emotional fordernd, aber ich bin dankbar, dass alles gut verlaufen ist. Jetzt braucht es ein bisschen Zeit, um die Eindrücke zu verarbeiten und die verlorene Zeit mit der Familie etwas aufzuholen.
Was waren deine ersten Gedanken, als du vom Einsatz in Jamaika erfahren hast?
Viele Gedanken gehen da einem durch den Kopf, zunächst war da großer Respekt vor der Aufgabe und ob ich trotz meiner Erfahrungen diesem gewachsen bin. Man weiß, dass ein Hurrikan enorme Zerstörung anrichtet und viele Menschen dringend Hilfe brauchen. Gleichzeitig war für mich klar: Wenn ich unterstützen kann, dann will ich das auch tun.
Wie hast du die Lage vor Ort erlebt, als du angekommen bist?
Die Zerstörung war wirklich erschütternd. Viele Straßen waren unpassierbar, Häuser beschädigt oder komplett zerstört, besonders im Hinterland. In vielen Regionen war die Infrastruktur stark beschädig, Strom und Wasser waren ausgefallen und die Gesundheitsversorgung zusammengebrochen bzw. arbeiteten unter desolaten Zuständen. Die Menschen standen oft vor dem Nichts, aber sind der Situation mit einer sehr merkwürdigen Gelassenheit und Ruhe begegnet, eine Mischung aus Resignation und karibischer Gelassenheit.
Welche Aufgaben hattest du im Einsatz konkret?
Wir haben vor allem bei der massiv eingeschränkten medizinischen Gesundheitsversorgung unterstützt. Die Arbeit war sehr vielfältig, oft auch unter schwierigen Bedingungen. Meine Aufgabe war dafür zu sorgen die Infrastruktur der Kliniken und Gesundheitsstationen kurzfristig provisorisch auf einem Mindestmaß an Sicherheit wieder her zu stellen mit dem Fokus auf Strom, Wasser, Abwasser und Hygiene, sowie Pläne zu erstellen für den Wiederaufbau. Kurz vor Weihnachten übernahm ich dann spontan zusätzlich den Posten des technischen Leiters, was noch eine Portion mehr Aufgaben bedeutete.
Gab es einen Moment, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Es sind so viele Eindrücke die da auf einen einströmen, die einen erschrecken und gleichzeitig erstaunen. Was mich immer sehr beeindruckt auf solchen Einsätzen ist: das Team. Kein Nörgeln oder Aussagen wie „Keine Lust“, einfach zusammen an einem Strang ziehen. Jeder ist für den anderen da.
Viele haben Unmenschliches geleistet. Immer wieder fragt man sich einfach: „Wie?“ Besonders beeindruckt hat mich eine jamaikanische Krankenschwester mit ihrem Team. Sie leitet mit ihrem Team ein Pflegeheim. Mehrere Gebäude waren stark beschädig und nicht mehr funktionstüchtig. Sie haben es gemeinsam geschafft, alle Patienten irgendwie weiter zu versorgen und haben noch parallel die große Nachbarschaft mitversorgt, die ebenfalls kein Dach mehr über den Kopf hatten. Diese Leistung lässt sich nur schwer beschreiben, wenn man es nicht gesehen hat. Eine unmenschliche Leistung!
Was waren die größten Herausforderungen während des Einsatzes?
Die Autofahrten waren der Horror. Durch die Zerstörung ging es nur sehr langsam und im Zickzack voran, so dass man für wenige Kilometer Stunden brauchte. Mal eben irgendwo hinfahren ging nicht. Schwierig war auch das diverse Arbeiten oder Projekte warten mussten, um es mit der Regierung und anderen Organisationen abzustimmen. Außerdem musste man immer den Blick auf die begrenzten Ressourcen haben.
Wie war die Zusammenarbeit mit den Teams vor Ort und internationalen Helfern?
Unglaublich gut. Gerade in solchen Einsätzen merkt man, wie wichtig Zusammenarbeit und Solidarität sind. Besonders über die Feiertage fingen die Kollegen einen auf wie in einer Großfamilie. Zusammen mit meinem deutschen Kollegen Andreas Hanna-Krahl verköstigten wir beide das ganze internationale Team mit einem Überraschungs-Weihnachtsbraten und by the way bekam ich den Spitznamen Papabär von meiner Einsatzleiterin. Das war schon eine sehr emotionale Auszeichnung. Mit vielen Kollegen aus der ganzen Welt bin ich noch immer in Kontakt, auch aus Einsätzen viele Jahr zu vor. Da entstehen neue Freundschaften.
Was nimmst du persönlich aus dem Einsatz mit?
Vor allem Demut. Man erkennt, wie schnell ein Leben durch eine Naturkatastrophe komplett verändert werden kann. Gleichzeitig nehme ich viel Motivation und neue Erfahrungen mit. Es zeigt, wie wichtig die Arbeit des Roten Kreuzes ist und was man im Team leisten kann.
Und etwas von der jamaikanischen Gelassenheit “ Irie mon“ und „ya mon“
Zum Abschluss: Würdest du wieder an einem internationalen Einsatz teilnehmen?
Auf jeden Fall, sofern es mir möglich ist. Es ist eine besondere Herausforderung, auch für die Familie zuhause, ohne die geht’s nicht. Es gibt keine schönere Arbeit für mich und man kann so viel, mit teils so wenig, bewirken.
Vielen Dank für das Gespräch, Christian, und willkommen zurück im Landkreis Verden!
Jamaika: DRK-Mitarbeiter aus Verden als Helfer im Einsatz – DRK Kreisverband Verden e.V.




