Europäischer Tag des Notrufs 112

Zum Tag des Notrufs am 11. Februar: DRK Niedersachsen fordert bei Reform der Notfallversorgung klare Strukturen und verlässliche Finanzierung
Wenn Menschen in Niedersachsen die 112 wählen, erwarten sie schnelle und verlässliche Hilfe – unabhängig von Uhrzeit oder Einsatzlage. Der Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes stellt diese Hilfe tagtäglich sicher und ist damit ein zentraler Bestandteil der medizinischen Notfallversorgung. Zum Europäischen Tag des Notrufs am 11. Februar macht der DRK-Landesverband Niedersachsen e. V. deutlich, dass die von der Bundesregierung geplante Reform der Notfallversorgung zwar notwendig ist, aber mit Augenmaß umgesetzt werden muss. „Der Rettungsdienst arbeitet seit Jahren an der Belastungsgrenze. Eine Reform darf diese Situation nicht verschärfen, sondern muss für Entlastung und klare Zuständigkeiten sorgen“, sagt Dr. Ralf Selbach, Vorstandsvorsitzender des DRK-Landesverbands Niedersachsen.
In der Praxis zeigen sich die Probleme vor allem durch stetig steigende Einsatzzahlen, die nicht allein auf eine wachsende Zahl schwerer Notfälle zurückzuführen sind. Häufig wird der Notruf auch bei medizinischen Anliegen gewählt, die nicht dringend sind, weil alternative Versorgungsangebote entweder nicht bekannt oder schwer erreichbar erscheinen. „Das System krankt weniger an fehlendem Engagement als an fehlender Steuerung“, so Dr. Selbach. „Wenn Rettungswagen für Bagatellfälle gebunden sind, fehlen sie dort, wo jede Minute zählt.“ Gleichzeitig wächst die Bedeutung des Rettungsdienstes über die klassische Notfallrettung hinaus. Extremwetterlagen, großflächige Stromausfälle oder andere Krisenszenarien machen deutlich, dass der Rettungsdienst ein tragender Pfeiler des gesundheitlichen Bevölkerungsschutzes ist. Diese Rolle kann nur erfüllt werden, wenn Strukturen langfristig angelegt, verlässlich finanziert und im Alltag eingeübt sind. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die enge Verzahnung von hauptamtlichen Kräften und Ehrenamtlichen, die im Bedarfsfall zusätzliche Kapazitäten schaffen. Vor diesem Hintergrund warnt der DRK-Landesverband Niedersachsen davor, bewährte Rahmenbedingungen wie die Bereichsausnahme im Rettungsdienst infrage zu stellen. Sie ermögliche es, verlässliche Partnerschaften vor Ort zu sichern und Qualität sowie Einsatzfähigkeit dauerhaft zu gewährleisten.
Ebenso zentral ist aus Sicht des DRK-Landesverbandes Niedersachsen eine solide Finanzierung der Vorhaltung. Rettungsdienstliche Strukturen müssen jederzeit einsatzbereit sein – auch dann, wenn es zu außergewöhnlichen Lagen mit hohem Personal- und Materialbedarf kommt. „Wer Vorhaltung nur nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben bewertet, verkennt die Realität des Rettungsdienstes“, sagt Selbach. Besonders wichtig ist dem DRK-Landesverband Niedersachsen außerdem, dass der Rettungsdienst auch künftig eindeutig in der Verantwortung der Länder bleibt. „Rettungsdienst muss Ländersache bleiben – ohne Wenn und Aber“, stellt Selbach klar. „Die Versorgungsrealität in Niedersachsen ist eine andere als in Stadtstaaten oder Ballungsräumen. Wer hier zentralisiert oder vereinheitlicht, riskiert am Ende schlechtere Hilfe vor Ort.“
Die geplante Stärkung digitaler und telemedizinischer Lösungen bewertet der DRK-Landesverband ausdrücklich positiv, um Einsatzkräfte zu entlasten und Versorgungswege effizienter zu gestalten. Langfristig gehört aber auch eine bessere Aufklärung der Bevölkerung hinsichtlich der richtigen Anlaufstellen für Notfälle dazu, den Rettungsdienst zukunftsfähig aufzustellen. „Eine Reform der Notfallversorgung kann nur dann erfolgreich sein, wenn sie den Rettungsdienst nicht isoliert betrachtet, sondern ihn als Teil eines Gesamtsystems versteht“, fasst Selbach zusammen. „Unser gemeinsames Ziel muss eine Versorgung sein, die im Alltag entlastet und in Ausnahmesituationen zuverlässig trägt.“